Wachstumspolitik sein lassen? Für ein menschenwürdiges Leben

„Mehr, mehr, mehr“ – ist das zunehmend kritisierte Prinzip immerwährenden Wachstums immer noch die unumstößliche Grundlage unseres Wirtschaftssystems? Unter dem Motto „Sein lassen! Weg von der Wachstumspolitik – Freiheit gewinnen“ traf sich der wissenschaftliche Arbeitskreis (AK) Wirtschaft und Finanzen des BUND vom 18. bis 20.11.2016 in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

Wie AK-Vorsitzender Dr. Joachim H. Spangenberg kommentierte, bringt der Tagungstitel eine Verantwortung vor dem Seienden mit der Notwendigkeit zusammen, Änderungen auf ihre Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen. Damit gab er den Startschuss für die Diskussion über die Überwindung des Wachstumsparadigmas zum Schutz ökologischer Ressourcen, aber auch die Bedeutung sozialer Aspekte in der Begründung, Kommunikation und Umsetzung ökonomischer Veränderungen.

Sowohl die Arbeit des BUND, nicht zuletzt durch die 1996 mit Misereor und 2008 mit Brot für die Welt veröffentlichten Studien „Zukunftsfähiges Deutschland“, als auch der Tagungsort Bad Boll blicken auf eine lange Tradition im Dialog zu Wachstum, Postwachstum und Suffizienz zurück. Tagungsleiter Pfarrer Romeo Edel (Boll/Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt) wies darauf hin, dass schon 1976 in Boll eine Tagung zu „Das unbewältigte Wachstum“ stattfand, bei der Herbert Gruhl ausführte: „Jede Zeit hat ihren Aberglauben. Und der heutige Aberglaube besteht in der Annahme, dass eine Richtung, die zu großen Erfolgen geführt hat, ohne Ende weiter beschritten werden könne.“

Prof. Dr. Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor des Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam, hob hervor, dass aus seiner Sicht Suffizienz kein Allheilmittel globaler Probleme sei, da Wachstumskritik als eine Arroganz der Wohlhabenden angesehen werden könne gegenüber denen, die weniger haben, global und in Deutschland. Er warb dafür, sich von „Wachstum-Ja-Nein-Diskussionen“ zu entfernen, um Fronten und Lagerbildung zu überwinden, und stattdessen zu fragen, wie Produktion, Distribution und Dienstleistungen so zu gewährleisten seien, dass sie den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Anforderungen der Nachhaltigkeit gerecht werden. In ökologischer Hinsicht seien dabei Dekarbonisierung, Dematerialisierung und Renaturalisierung entscheidende Ansprüche.

Die Verknüpfung von Suffizienzgesichtspunkten mit sozialen Aspekten zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Prof. Dr. Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg) hob die Wichtigkeit hervor, über ökologische Nachhaltigkeitsziele auch gesellschaftliche Ziele nicht zu vergessen, und rief dazu auf, gegen die Wachstumspolitik in den Köpfen vorzugehen. Er unterstrich, wie wichtig es für Zivilgesellschaft, aber auch Politik sei, nicht nur im Ankündigungsmodus zu verharren, sondern konkrete Schritte hin zu Veränderung zu unternehmen.

Die Bedeutung neuer Narrative, neuer Visionen und neuer Leitbilder griff auch Prof. Dr. Angelika Zahrnt (BUND-Ehrenvorsitzende/AK) auf – die UN-Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) seien zwar ein wichtiger Schritt, doch es sei notwendig, Konflikte zwischen den Zielen zu thematisieren. Sie blickte insbesondere auf die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ zurück, die nach dem UN-Erdgipfel 1992 als erste umfassende Nachhaltigkeitsstudie politische Ziele und Maßnahmen abgeleitet und gesellschaftliche Leitbilder entwickelt hat. Die Ergebnisse sahen sich damals Vorwürfen wie Ökodiktatur oder Planwirtschaft ausgesetzt. Insbesondere aus der Wirtschaft klinge dabei teils bis heute ein falscher Begriff von Gerechtigkeit an: Viele Auseinandersetzungen etwa im Bereich der Automobil- und Energiewirtschaft kreisten um Besitzstandsgerechtigkeit und die Verteidigung des Status Quo statt um die Erreichung einer Verteilungsgerechtigkeit gerade in der Verteilung globaler Umweltgüter, so Zahrnt.

Unter der Überschrift ‚Ziele, Zahlen, Zombies und Zukunftsperspektiven‘ hob Prof. Dr. Rudi Kurz (Hochschule Pforzheim/AK) die Fortschritte bei der Zielformulierung hervor durch SDGs und Nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Als Leitbild dominiere allerdings weiterhin Wachstum (Zombie). Dennoch habe eine gewisse Wandlung stattgefunden: Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelten nun nicht mehr als ‚Jobkiller‘, sondern als ‚Green Growth‘, als ‚Modernisierungsstrategie‘ mit ‚win-win‘-Potential. Er belegte (Zahlen), dass die erhoffte Effizienz-Revolution bislang ausgeblieben ist. Daher ist auch die Suffizienz-Option zu prüfen: Welche Konsequenzen hätte es, wenn die Konsumausgaben jedes Jahr um 1-3% gesenkt werden könnten? Abschließend wies er auf die Bedeutung der Resilienz unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung angesichts sinkender Wachstumsraten und zunehmender Vermögenskonzentration hin.

Die positiven Assoziationen mit „Wachstum“ hob auch Prof. Dr. Hubert Weiger (BUND-Bundesvorsitzender) hervor, frisch zurückgekehrt von den Klimaverhandlungen in Marrakesch. Kein*e Politiker*in werde sich gegen Wachstum stellen: Es sei eine akademische, aber keine gesellschaftliche Debatte, und solange die Bevölkerung Angst vor geringem Wachstum habe, wolle sie sich auch mit negativen Folgen des Wachstums nicht auseinandersetzen. Er berichtete auch, dass sogar der BUND nicht vor Wachstumslogik gefeit sei: Für ihn als Vorsitzenden sei die Kommunikation dann am leichtesten, wenn der Verband und die Mitgliederbeiträge wüchsen.

Die auch von Hubert Weiger angesprochene Frage, wie Ziele entstehen und zu kommunizieren sind, führte Katharina Ebinger aus dem BUNDjugend-Vorstand näher aus. Sie rief dazu auf, in der Zielformulierung nicht nur die Interessen privilegierter, weißer Akademiker*innen zu repräsentieren: In Zielsetzung und –kommunikation sei zu überlegen, wer Zielgruppe sei und mit wem in Dialog zu treten und wer wie abzuholen sei, weshalb die BUNDjugend einen Dialogprozess mit Jugendorganisationen verschiedener Gewerkschaften begonnen hat. Eine kommunikative Chance für den BUND sei, sich als Interessenvertretung der Menschen zu positionieren, die nachhaltig leben wollen, wobei unterschiedlichen Lebensstilen mit Respekt zu begegnen sei. Zugleich sei die Bereitschaft zur Veränderung von Konsummustern nicht zu entkoppeln von der ebenfalls zu stellenden politischen Systemfrage.

Die Wichtigkeit von Kommunikation, Narrativen und dem „Mitnehmen“ der Menschen griff auch Dr. Bernd Bornhorst (Misereor) aus der Erfahrung mit Partnerorganisationen im globalen Süden auf: In seiner Beobachtung ist nachhaltige Entwicklung ein ausgehöhlter Begriff, der Zielkonflikte zukleistere und vielfach etwa hinsichtlich der Inwertsetzung von Natur und impliziten Wachstumsfixiertheit sehr kritisch gesehen werde. Er stellte auch die Frage, wie Wachstumsüberwindung so gefasst werden könne, dass man über die rationale Auseinandersetzung hinaus die Menschen da emotional abholen könne, wo gesellschaftliche Diskussion existiert.

Als praktische Inputs referierten Dr. Thomas Ernst und Andrej Cacilo vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zur Transformation zu Nachhaltiger Mobilität und hoben dabei u. a. die Wichtigkeit hervor, die Wissensgrundlage und Betrachtungsgrenzen bei der Erstellung von Zukunftsszenarien und Zielwerten zu berücksichtigen. Helen Lückge aus dem Vorstand des Forums Ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) präsentierte, wie durch ökologische Abgaben etwa auf Dienstwagen oder Flugverkehr oder den Abbau umweltschädlicher Subventionen zum Beispiel bei Diesel erhebliche Ressourcen freigesetzt werden könnten (z. B. €50Mrd. durch Subventionsabbau). Im Vergleich zu 2003, als ökologische Steuern noch 6,5% der Gesamtsteuerlast ausmachten, sind die Abgaben auf unter 5% zurückgegangen. Der Faktor Arbeit werde im Vergleich zu Energie und Material weiterhin viel stärker besteuert; eine Verschiebung könnte zum Beispiel wie in der Schweiz die Auszahlung eines Ökobonus durch die Krankenkasse am Jahresende ermöglichen.

Die vielleicht passendste Zusammenfassung des regen und vielfältigen Austauschs bietet das Wort des ‚menschenwürdigen Lebens‘ (Joachim Spangenberg) als entscheidende Zielgröße Zeit: Insbesondere im Angesicht vieler Individuen, die sich abgehängt fühlen, ist gerade für den BUND als Nachhaltigkeitsverband die Verknüpfung ökologischer mit sozialen Themen ebenso entscheidend wie eine Sprache, die alle mitnehmen kann. Der BUND-AK Wirtschaft und Finanzen wird zweifellos auch weiterhin seinen Teil dazu beitragen.

Autorin: Dr. Judith Krauß, Studienleiterin Nachhaltigkeit, Evangelische Akademie Bad Boll

Allianz für den freien Sonntag

Auf der Facebook Seite der Sonntagsallianz kann man einen kleinen Trickfilm zum Thema Sonntagsarbeit sehen.

Schauen Sie hier.

Zeitungsartikel Staatsanzeiger vom 30.12.2016 zum Thema Verkaufsoffener Sonntag

Weitere Informationen zum Staatsanzeiger

http://www.staatsanzeiger.de/

Bundesverwaltungsgericht stärkt Allianz für den Sonntag

5.000 Brote zum Teilen - Brot für die Welt Aktion in Württemberg gestartet

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Freuen sich mit den Konfirmanden (v.l.): Pfarrerin Karin Uhlmann, Bäckermeister Johannes Schultheiß, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Pfarrer Christoph Bäuerle, Stadtkirchengemeinde Esslingen und Pfarrer Romeo Edel

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Unter fachkundiger Anleitung von Bäckermeister Johannes Schultheiß verarbeiten die Konfirmanden den Brotteig

Stuttgart/Esslingen, 5.Oktober 2016. Konfirmanden aus Esslingen haben in der Backstube der Bäckerei Schultheiß in Ostfildern-Nellingen die Aktion "Brot zum Teilen: Konfirmanden backen 5000 Brote für Brot für die Welt" offiziell für Württemberg eröffnet. Über 60 Kirchengemeinden und Bäcker beteiligen sich in diesem Jahr in Württemberg. Die Bäckerbetriebe öffnen für diese bundesweite Aktion ihre Backstuben. Die Jugendlichen backen dort außerhalb der normalen Betriebszeiten unter fachkundiger Anleitung zwischen Erntedank und dem 1. Advent selbst Brot und gewinnen dabei einen Einblick in den handwerklichen Beruf. Gegen eine Spende wird das Brot beim nächsten Gottesdienst, dem Gemeindefest oder Herbstmärkten abgegeben. Der Erlös kommt Kinder- und Jugendbildungsprojekten von Brot für die Welt in Albanien, El Salvador und Ghana zugute.

 

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, Landesstelle Brot für die Welt, gibt den Konfirmanden mit auf den Weg: „Wenn jeder etwas abgibt, reicht es für alle.“ Das gesellschaftliche Solidarprinzip beruht darauf. Kirche und Diakonie setzen sich dafür ein, dass dies international Anwendung findet. „Gottes Tisch ist reich gedeckt. Jesus zeigt uns, was geschieht, wenn man Brot teilt. Die Speisung der 5.000 ist die wunderbare Geschichte davon, dass alle satt werden. Wenn jeder etwas abgibt, reicht es für alle. Es ist wichtig, dass wir dies jungen Menschen vermitteln. Und es ist erfrischend zu sehen, dass die Konfirmanden erfahren, dass es Spaß macht, sich gemeinsam zu engagieren“, so Kaufmann. „Ich danke allen, die diese Aktion möglich machen.“

 

Unter den teilnehmenden Konfirmandengruppen und Bäckereibetrieben losten Pfarrer Romeo Edel und Pfarrerin Karin Uhlmann, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evangelischen Landeskirche Württemberg, und Oberkirchenrat Dieter Kaufmann Preise aus. Konfirmanden aus Alfdorf hatten Losglück und gewinnen ein gemeinsames Eisessen. Ein gemeinsames Pizzaessen geht an Konfirmanden aus Hebrechtingen und Bodelshausener Jugendliche können sich über eine Brezellieferung in den Konfirmandenunterricht freuen. Jeweils einen Ausflug nach Tübingen zum Stocherkahnfahren haben die Bäckerei-Konditorei Zöller aus Zaberfeld, die Bäckerei Trunk aus Heilbronn und die Bäckerei Zoller aus Esslingen gewonnen.

Das Diakonische Werk Württemberg, Landesstelle Brot für die Welt, sowie das württembergische Bäckerhandwerk, der Pfarrer für Konfirmandenarbeit und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg führen die Aktion in Württemberg durch. Die bundesweite Aktion tragen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. und der Evangelische Verband Kirche Wirtschaft Arbeitswelt (KWA).

 

„Brot zum Teilen: Konfis backen 5.000 Brote“

 

Konfirmanden aus Württemberg helfen mit selbstgebackenem Brot für die Welt in diesem Jahr Kindern und Jugendlichen in Albanien, El Salvador und Ghana.

 

Albanien

Für zurückgekehrte Flüchtlinge, Roma und Schulabbrecher ist es in Albanien sehr schwer, einen Einstieg ins legale Arbeitsleben zu finden. Die Organisation DEVAID hilft diesen jungen Menschen. Sie begleitet die Jugendlichen während ihrer handwerklichen Ausbildung. Dank des Netzwerks von Ausbildungszentren, Arbeitsämtern und Unternehmen finden sie anschließend Arbeitsplätze.

 

El Salvador

In den armen Stadtteilen von San Salvador in El Salvador prägen Gewalt und Perspektivlosigkeit das Leben der Jugendlichen. Aus Angst vor dem organisierten Verbrechen stellen viele Firmen Jugendliche mit Adressen in bestimmten Stadtbezirken gar nicht erst ein. Die kirchliche Organisation Servicio Social Pasionista (SSPAS) zeigt einen Ausweg auf. Sie bildet Jugendliche handwerklich aus, begleitet sie psychologisch und vermittelt sie in Arbeitsverhältnisse.

 

Ghana

Eine gut bezahlte Anstellung zu finden, davon können viele Jugendliche in Ghana nur träumen. Bessere Zukunftsaussichten hat, wer sich selbständig macht. Das Opportunities Industrialization Centre ermöglicht jungen Leuten in Kumasi eine gute Ausbildung und hilft ihnen, sich selbst eine Existenz aufzubauen.

 

 

Mehr Informationen

www.diakonie-wuerttemberg.de/brot-zum-teilen

www.5000-brote.de

Pressemitteilung als Download (ca. 2MB)

Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag

KooperationspartnerInnen (v.l.n.r.): Ingrid Engelhart, SPES Zukunftsprojekte e.V., Monica Kleiser, K-Punkt Ländlicher Raum, Sylvia Dieter, Evang Landfrauenarbeit (EFW), Brunhilde Raiser, Evang. Bildungswerk Oberschwaben, Martin Schwarz, KDA (Aufnahme: privat).

Fachtag zu sorgenden Gemeinschaften im Kloster Heiligkreuztal

Rund 150 engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Verantwortliche aus Kommunalpolitik und sozialen Einrichtungen trafen sich am 23. März im Kloster Heiligkreuztal zum Fachtag „Caring Communities – Auf dem Weg zu sorgenden Gemeinschaften“. Auf der Veranstaltung des K-Punkt Ländliche Entwicklung im Kloster Heiligkreuztal der Diözese Rottenburg-Stuttgart diskutierten sie Modelle, wie mit mehr bürgersch aftlichem Engagement den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnet werden könne.

„Es geht um die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume“ beschrieb Thomas Klie, Sozialexperte an der Evangelischen Hochschule Freiburg, die Aufgabe. Nicht alle Betreuungs- und Pflegeleistungen ließen sich als Dienstleistung organisieren. Älteren Menschen dürften dabei nicht auf ihre Pflegebedürftigkeit reduziert werden. Pflegeleistungen hätten vielmehr dienende Funktion, damit Menschen in jedem Alter das leben könnten, was ihnen wirklich wichtig sei. Der Ansatz der Caring Communities setze auf einen Mix aus bürgerschaftlichen und professionellen Angeboten. Klie kritisierte die niedrigen Löhne im Pflegebereich. Die Deutschen seien bisher nicht bereit, für haushaltsnahe Dienstleistungen einen angemessenen Preis zu bezahlen. Er warb um Vertrauen in die Selbstorganisation kleiner Lebenskreise wie Familie, Nachbarschaften oder Gemeinden und forderte ein neues Verständnis von Subsidiarität. Dabei sei eine faire Aufteilung der Sorge-Verantwortung entscheidend, sowohl zwischen den Generationen als auch unter Gender-Gesichtspunkten. Den Kirchen riet Klie zu einer Wiederbelebung der Parochie als Ort des sozialen Miteinanders.

Kirche müsse sich offensiv in die Mitgestaltung des Sozialraumes hineinbegeben, bekräftigte Ordinariatsrat Joachim Drumm, Leiter der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Kirche als Gemeinschaft von Gemeinschaften sei bei ihrer ureigenen Sache, wenn sie sich um das Zusammenleben der Menschen kümmere.

Manfred Lucha, Grüner Obmann im Sozialausschuss des baden-württembergischen Landtags, betonte die Gestaltungsspielräume, die sich aus dem neuen Wohn-, Teilhabe und Pflegegesetz in Baden-Württemberg ergäben. Damit hingen die Unterstützungsleistungen nicht mehr von der Wohnform ab. Neben seiner Schutzfunktion müsse der Staat in Zukunft viel stärker Menschen befähigen, ihr Leben selbstverantwortet zu gestalten.

Als praktische Beispiele präsentierten sich die Gemeinden Unlingen und Eichstetten, die mit Unterstützung der Beratungsorganisation SPES Zukunftsmodelle e.V. innovative Betreuungs- und Wohnformen für ältere Menschen geschaffen haben. In Eichstetten entstand ein Gebäude mit Pflegewohngruppe, einer Kernzeitbetreuung für Kinder und einem Tagescafé. „Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag“, beschrieb Gerhard Kiechle, ehemaliger Bürgermeister von Eichstetten die Idee. „Wir müssen uns auf den Weg machen von einer Versorgungs- zu einer Mitwirkungsgesellschaft“ forderte der Kommunalpolitiker.

Ingrid Engelhard, Geschäftsführerin von SPES stellte klar, der einseitige Ausbau stationärer Versorgungseinrichtungen sei weder finanziell zu schultern noch entspräche er den Wünschen der Menschen. Die meisten wollten alt werden in vertrauter Umgebung. Die Zukunft gehöre Modellen, die kleinräumig seien, Beteiligung ermöglichten und Kooperation unterstützen zwischen bürgerschaftlichen und professionellen Angeboten. SPES begleitet momentan 18 Gemeinden in Baden-Württemberg, die ihrer Bürgerschaft ein Altwerden in vertrauter Umgebung ermöglichen wollen. Ergänzend stellte Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des Verbands Katholisches Landvolk e.V Fördermöglichkeiten für Projekte vor.

Neben den Vorträgen präsentierten sich zahlreiche Initiativen und Projekte auf einem Markt der Möglichkeiten. Unter der Federführung des K-Punkt ländlicher Raum im Kloster Heiligkreuztal, einer Einrichtung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wurde die Tagung von einer Vielzahl kirchlicher und kommunaler Einrichtungen und Verbände getragen: Caritas-Region Biberach-Saulgau, Evang. Bildungswerk Oberschwaben (EBO), Evangelische Frauen in Württemberg-Landfrauenarbeit, Gemeindenetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Baden-Württemberg, Katholische Erwachsenenbildung Dekanate Biberach und Saulgau e.V., Katholische Landvolkbewegung Deutschland, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) Ulm, Landfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes Rottenburg-Stuttgart, LEADER Aktionsgruppe Oberschwaben und Verband Katholisches Landvolk e.V..

Konfirmanden backen Brot für die Welt

Konfirmadnen beim Brotbacken

Konfirmanden backen "Brot zum Teilen" in Esslingen

Rund 80 Bäckereien und Kirchengemeinden beteiligen sich in Württemberg an der Aktion "Brot zum Teilen – Konfirmanden backen 5000 Brote"

Zum Auftakt der Aktion "Brot zum Teilen – Konfirmanden backen 5000 Brote" öffnete die Bäckerei Schultheiß in Ostfildern-Nellingen ihre Tore. Rund 20 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus verschiedenen evangelischen Gemeinden in Esslingen backten unter Anleitung von Chef Johannes Schultheiß und seinem Team Brot. Dieses Brot gaben die Konfirmandinnen und Konfirmanden anschließend gegen eine Spende an Freunde und Verwandte ab. Der Erlös kommt Kinder- und Jugendbildungsprojekten von Brot für die Welt in Kolumbien, Bangladesch und Ghana zugute.

In ganz Württemberg beteiligen sich rund 80 Bäckereien und Kirchengemeinden mit circa 3000 Konfirmanden an der Aktion, die zwischen Erntedank und dem ersten Advent erstmalig in Württemberg stattfindet. Bundesweit sind es rund 10.000 Konfirmanden. Die erste gemeinsame Aktion dieser Art von Kindern und Bäckerhandwerk zugunsten des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt fand 2012 in den beiden hessischen Landeskirchen statt. Sie war so erfolgreich, dass die Aktion in diesem Jahr bundesweit durchgeführt wird.

Das gute Verhältnis zwischen den Bäckereien und Brot für die Welt macht die Aktion "Brot zum Teilen – Konfirmanden backen 5000 Brote" erst möglich. "Unsere Betriebe haben ihre Heimat in der Religion", sagte Johannes Schultheiß, Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbandes für das Württembergische Bäckerhandwerk. Frank Sautter, stellvertretender Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das Württembergische Bäckerhandwerk bestätigte dies und lobte die sehr gute und landesweite Zusammenarbeit zwischen handwerklichen Betrieben und Kirchengemeinden über viele Jahre hinweg: "Als Unterstützer und Sponsor von Brot für die Welt weiß man ganz genau, dass die Spende ankommt." Gleichzeitig bedauerte er, dass die Wertschätzung von Brot in der Bevölkerung verloren gehe. Brot sei ein Kulturgut und Grundnahrungsmittel, das eine hohe Wertigkeit habe. "Erst wenn man es nicht hat sieht man: Es ist nicht selbstverständlich." Pfarrer Martin Schwarz, Vorsitzender des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) und Beauftragter für Handwerk und Kirche erklärte, dass die Aktion mehrere Wurzeln habe. Neben der bewährten Zusammanarbeit von Bäckerinnungen und Brot für die Welt in Württemberg auch die hessiche Initiative seit 2012, mit Konfirmanden für den guten Zweck zu backen. Außerdem seien viele Handwerkerinnen und Handwerker ganz selbstverständlich mit Rat und Tat in den Kirchengemeinden engagiert. "Es freut mich, dass die traditionell gute Verbindung von Handwerk und Kirche nun diese beeindruckende Aktion möglich gemacht hat", so Schwarz.

Selbst Brot zu backen und gegen eine Spende abgeben zu können, gefiel auch der Esslinger Konfirmandin Mathilda: "Ich finde es schön Menschen zu helfen die Hilfe benötigen. Es ist viel Arbeit Brot herzustellen und nicht selbstverständlich". Die Aktion "Konfirmanden backen 5000 Brote" ist eine Kooperation zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks und des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) zugunsten von Brot für die Welt. In Württemberg wird die Aktion von der Landesstelle Brot für die Welt, dem württembergischen Bäckerhandwerk, dem Pfarrer für Konfirmandenarbeit und dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg durchgeführt.

Weitere Informationen zur bundesweiten Aktion lesen Sie hier...

Lehren aus der Schlecker-Pleite: Ministerin Nahles nimmt Forderungen zum Insolvenzrecht entgegen

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, nahm am Montag, 14 Juli in Berlin einen Forderungskatalog zu Konsequenzen aus der Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker entgegen. An der Übergabe nahmen die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Schlecker, Christel Hoffmann, Stefanie Nutzenberger vom ver.di Bundesvorstand, die Münchner Rechtsanwältin Elke Lill, die im Insolvenzverfahren den Gesamtbetriebsrat vertreten hatte, Martin Schwarz, Wirtschafts- und Sozialpfarrer des kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) Ulm und die baden-württembergische ver.di Landesbezirksleiterin Leni Breymaier teil.

Die Forderungen wurden auf Tagungen des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) an Evangelischen Akademie Bad Boll und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Stuttgart entwickelt.


Lesen Sie mehr über unsere Aktionen rund um die Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker hier.

Solidarisches Abendgebet zu geplanten Entlassungen in der WMF

WMF-Betriebsrat Jürgen Petsrs im gespräch mit Pfarrer Dietrich Crüsemann (Aufnahme: Markus Sontheimer, GEISLINGER ZEITUNG).

Geislinger Kirchengemeinden stehen hinter den Beschäftigten

 

Am 28. Mai versammelten sich gut 250 Menschen zum ersten „solidarischen Abendgebet“ in der Geislinger Stadtkirche. Dekanin Hühn erinnerte in ihrem Eingangswort an die soziale Verpflichtung, die aus Eigentum erwächst. Die große Resonanz auf den Gottesdienst wertete sie als Zeichen, dass dem Menschen in Geislingen die Sorgen der Beschäftigten der WMF nicht egal sind.

 

Der Vorstand des Traditionsunternehmens hatte angekündigt, über 500 Arbeitsplätze in Geislingen zu streichen. Betroffen ist außerdem der Standort der Tochtermarke Silit in Riedlingen.

 

Pfarrer Dietrich Crüsemann sprach mit WMF-Betriebsrat Jürgen Peters: Nur der öffentliche Protest könne noch bewirken, dass der geplanten Arbeitsplatzabbau doch noch abgewendet werde, sagte Peters. „Der Mensch muss an erster Stelle kommen!“, forderte der Ulmer Wirtschafts- und Sozialpfarrer Martin Schwarz. Der Markt und damit Konkurrenzdenken und Verwertungsdruck habe den letzten Winkel der Erde und jeden Bereich des Lebens erreicht. Damit Arbeit und Kapital aber dem Leben dienen, müssen die Kräfte den Marktes in Ihre Grenzen gewiesen werden.

 

Bereits am 22. Mai hatten sich Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Kirchenbezirk Geislingen an einer Protestaktion vom WMF-Beschäftigten anlässlich der Aktionärsversammlung der WMF in Stuttgart beteiligt.

 

Aufgrund der großen Resonanz ist das traditionelle Abendgebet jeden Mittwoch in der Geislinger Stadtkirche um 19 Uhr bis auf weiteres der Solidarität mit dem WMF-Beschäftigten gewidmet.

 

Weitere Informationen:

Bericht vom Abendgebet der Geislinger Zeitung.

Erklärung der Landessynodalen des Gesprächskreises „Offene Kirche“ im Wahlkreis Göppingen/Geislingen Anita Gröh und Werner Stepanek zur Situation bei WMF.

Ulm ist jetzt auch "Fairtrade-Town"

Fest zur Verleihung der Auszeichnung am 14. März

 

Ulm soll Fairtrade-Town werden, das hatte der Ulmer Gemeinderat im Dezember 2012 beschlossen und eine Steuerungsgruppe unter Beteiligung des Ulmer Agenda-Büros und des Weltladens, von KDA, Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung (DIMOE), Slow Food, Haus der Begegnung und weiterer zivilgesellschaftlicher Akteure mit der Vorbereitung der Bewerbung um den Titel beauftragt. Jetzt ist es soweit: Am Freitag, 14. März, wird Ulm im Haus der Begegnung offiziell der Titel einer "Fairtrade Town" verliehen.

 

"Fairtrade" bedeutet "gerechter Handel": Preise beispielsweise werden so gestaltet, dass Produzentinnen und Produzenten in Entwicklungsländern von ihrer Arbeit angemessen leben können, Kinderarbeit ist verboten, strenge Kriterien für Umwelt- und Sozialstandards müssen eingehalten werden.

 

Um "Fairtrade Town" zu werden, musste auch Ulm fünf Kriterien erfüllen, die vom unabhängigen Verein "Transfair e.V." mit Sitz in Köln überprüft wurden: Unter anderem musste nachgewiesen werden, dass mindestens 22 Einzelhandelsgeschäfte und elf Gastronomiebetriebe in der Stadt Fairtrade-Produkte im Sortiment haben. In Ulm war diese Hürde leicht zu nehmen: Die Lenkungsgruppe fand mindestens 27 Einzelhandelsgeschäfte und 17 Gastronomiebetriebe, die fair gehandelte Produkte anbieten. Fairtrade-Aktivitäten haben außerdem drei Schulen, vier Vereine und 15 Kirchengemeinden zurückgemeldet. Das Rathaus und viele Einrichtungen der Stadt Ulm verwenden Kaffee, Tee und Säfte aus fairem Handel.

 

Besonders erfreulich ist das Engagement an Ulmer Schulen. So konnte vor kurzem das St.-Hildegard-Schulzentrum als erste Ulmer Schule den Titel "Fairtrade School" entgegennehmen. Auch die Medien berichten ausführlich über Ulmer Veranstaltungen und Projekte rund um Fairtrade. "Ein gutes Gefühl, Teil einer großen Bewegung zu sein", findet Kirsten Tretter, die Vorsitzende der Steuerungsgruppe und Geschäftsführerin im Ulmer Weltladen.

 

Die Verleihung der Auszeichnung ist öffentlich. Unter dem Titel "Ulm handelt fair" präsentierten sich am Freitag, 14. März 2014 im Haus der Begegnung Betriebe, Vereine und Schulen, die mitgewirkt haben, um das Siegel zu bekommen. Fairtrade-Botschafterin Hannah Rüther überreichte Oberbürgermeister Ivo Gönner die Urkunde "Fairtrade Town Ulm". Für einen unterhaltsamen Rahmen sorgten unter anderem Sängerin Siyou, die St.-Hildegard-Schule mit einem Tanz und der Chor der Elly-Heuss-Realschule. Der Ulmer Weltladen zeigte eine kleine Modenschau.

Arbeitsfreier Sonntag muss endlich in EU-Gesetzgebung verankert werden

Europäische Sonntagsallianz appelliert an EU-Abgeordnete

 

Im Hinblick auf die Europawahlen im Jahr 2014 hat die Europäische Sonntagsallianz in einer Konferenz am 21. Januar 2014  im Europäischen Parlament, die 120 Teilnehmende versammelte, offiziell eine Verpflichtungserklärung für einen arbeitsfreien Sonntag und menschenwürdige Arbeit ins Leben gerufen. Die Verpflichtungserklärung soll europäische Politiker und Politikerinnen zur Förderung eines gemeinsamen wöchentlichen Ruhetags sowie eines Rechtsrahmen auffordern, der eine Struktur der Arbeitszeit auf dem Prinzip menschenwürdiger Arbeit nachhaltig sichert.

 

Die Verpflichtungserklärung besagt, dass ein arbeitsfreier Sonntag und menschenwürdige Arbeitszeiten «von größter Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger sowie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ganz Europa (sind) und nicht notwendigerweise der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft entgegenstehen. Gerade in Zeiten der sozio-ökonomischen Krise hat Gesetzgebung zur Ausdehnung der Arbeitszeiten auf den späten Abend, auf Nächte, Feiertage und Sonntage direkte Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und auf kleine und mittlere Unternehmen. Wettbewerbsfähigkeit braucht Innovation, Innovation braucht Kreativität und Kreativität braucht Erholung!».

 

Mit der Unterzeichnung dieses Versprechens verpflichten sich die heutigen Mitglieder des EU-Parlaments und die Kandidaten für die kommenden Wahlen zum Europäischen Parlament dazu:

  1. Sicherzustellen, dass die einschlägige EU-Gesetzgebung einen gemeinsamen wöchentlichen Ruhetag für alle EU-Bürgerinnen und Bürger, im Prinzip den Sonntag, respektiert und fördert, um die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen und eine bessere Balance zwischen Familie, Privatleben und Arbeit zu gewährleisten;
  2. Einzutreten für eine EU-Gesetzgebung, die nachhaltige Arbeitszeitmodelle nach dem Prinzip menschenwürdiger Arbeit gewährleistet, wovon sowohl die Gesellschaft als auch die Wirtschaft als Ganzes profitieren.

Die Zweite Europäische Konferenz über den Schutz des arbeitsfreien Sonntags und für menschenwürdige Arbeit fand am 21. Januar 2014 im Europäischen Parlament (Brüssel) zur Sensibilisierung für die Verpflichtungserklärung und die Kernforderungen der Europäischen Sonntagsallianz statt. Die Konferenz wurde von den Mitgliedern des Parlaments Evelyn Regner (S & D) und Thomas Mann (EVP) gemeinsam mit der Europäischen Sonntagsallianz veranstaltet.


Die Überwindung der Krise in Europa, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sind die wichtigsten Anforderungen. Die Europäische Sonntagsallianz bekräftigt, dass Wettbewerbsfähigkeit und menschenwürdige Arbeit Hand in Hand mit einem gemeinsamen wöchentlichen
Ruhetag gehen. Es bedarf Erholung um kreativ, innovativ und letztendlich wettbewerbsfähig zu sein. Die verschiedenen Diskussions- und Podiumsteilnehmenden waren der Ansicht, dass heute die EU und die Mitgliedstaaten die Gesundheit, Sicherheit, Würde eines jeden auf der rechtlichen Ebene wie auf der des alltäglichen Lebens schützen und die Balance zwischen Familie und privat Leben und Werk aufmerksam fördern sollten. Alle Menschen in der Europäischen Union hätten das Recht, von arbeitsfreien Sonntagen und
menschenwürdigen Arbeitszeiten zu profitieren. Sonntagsschutz stärke den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaften. Er verkörpere ein wertvolles Beispiel unseres Erbes, das als Grundpfeiler des Europäischen Wirtschafts- und Sozialmodells anerkannt werden sollte.

 

Pressemeldung der baden-württembergischen Allianz für den freien Sonntag vom 24. April 2014.

 

Ansprechperson im KDA-Württemberg:

Karl-Ulrich Gscheidle

Johann-Jakob-Widmann-Schule Heilbronn, Tag der offenen Tür, 26. April 2013

Am 26. April fand unter dem Motto "Nachhaltigkeit im beruflichen Schulwesen" ein Tag der offenen Tür in der Johann-Jakob-Widmann-Schule in Heilbronn statt. Der Umweltminister Baden-Württembergs, Franz Untersteller, stellte die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit dar und beantwortete Fragen der Schüler. Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und ihre Lehrkräfte gestalteten Schaukästen, Mitmachstationen und Experimente. Betriebe unn Einrichtungen stellten aus und informierten. Auch der KDA Heilbronn war mit einem Informationsstand präsent.

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Privater Reichtum - Öffentliche Armut

Debatte zur Verteilungsgerechtigkeit mit Minister Nils Schmid und Sozialethiker Möhring-Hesse

 

Die aktuelle Diskussion über den 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der Anfang März veröffentlicht wurde, hat gezeigt, wie heikel das Thema ist. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Deutschland in den letzten 20 Jahren weit geöffnet. Gleichzeitig sind die öffentlichen Kassen leer. Über eine nachhaltige Sanierung der Staatsfinanzen und eine gerechte Verteilung der Lasten diskutierten am 15.-16. März Vertreter und Vertreterinnen aus Wirtschaft, Politik und Theologie – unter ihnen Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid und Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse, Tübingen, über das Thema und über Lösungsansätze. Lesen Sie weiter

KDA-Delegation besucht Innovation City in Bottrop

Im Bottroper Informationszentrum Innovation City informierte sich die KDA-Gruppe mit Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek (5.v.r.) bei Oberbürgermeister Bernd Tischler (6.v.r.) und der wütrttembergischen KDA-Vorsitzenden Esther Kuhn-Luz (7.v.r.) über da

KDA-Delegation im Bottroper Informationszentrum Innovation City mit Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek (5.v.r.), Oberbürgermeister Bernd Tischler (6.v.r.) und der württembergischen KDA-Vorsitzenden Esther Kuhn-Luz (7.v.r.). Foto: Bugzel

Studienreise des KDA zum Strukturwandel im Ruhrgebiet

 

Eine Delegation des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) machte Station in Bottrop. Mit der westfälischen Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek an der Spitze informierten sich 13 Sozialpfarrerinnen und -pfarrer aus Baden, Württemberg und der Nordkirche fast eine Woche lang über den Strukturwandel im nördlichen Ruhrgebiet.

 

Im Informationszentrum Innovation City empfing Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler die Theologinnen und Theologen und stellte ihnen das ambitionierte Umweltschutz- und Klimaprojekt vor. Die Stadt Bottrop, "die schönste Stadt in der Metropole Ruhr", so Tischler, habe sich in einem Wettbewerb gegen zahlreiche Städte aus dem gesamten Ruhrgebiet durchgesetzt und trage nun offiziell den Titel Innovation City. "Sie ist damit Modellstadt für den Klimaschutz und soll internationalen Vorbild- und Vorzeigecharakter haben", erklärte das Bottroper Stadtoberhaupt. Bottrop habe sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 50 Prozent der CO2-Emissionen einzusparen.

 

Bevor die KDA-Gruppe in Bottrop Station machte, hatten die Sozialpfarrerinnen und -pfarrer  auf ihrer Tour de Ruhr das Trainingsbergwerk Recklinghausen, die ehemalige Zeche Zollern und die Evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen besucht. Der KDA ist eine Arbeitsgemeinschaft von landeskirchlichen Einrichtungen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er verknüpft soziale und ökonomische mit sozialethischen Fragen und fördert Ideen, die zu einer gerechten, humanen und zukunftsfähigen Arbeits- und Wirtschaftsweise beitragen. "Dazu führen wir den Dialog mit den Akteuren in der Arbeitswelt, mit Verantwortlichen in Unternehmen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden sowie in Politik und Kirche", erläuterte Landessozialpfarrerin Hilgendiek.

Seelsorger mit Schutzhelm

Aufnahme von der Einführung: Martin Schwarz, Peter Maile, Inge Hamm, Wolfgang Dietrich, Christian Hermes, Joachim Drumm. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

V.l.n.r.: Martin Schwarz, Peter Maile, Inge Hamm, Wolfgang Dietrich, Christian Hermes, Joachim Drumm (Aufnahme: C. Branz)

Amtseinführung Diakon Peter Maile als katholischer Betriebsseelsorger Stuttgart 21

 

Stuttgart, 26.11.2012. In sein neues Amt als Seelsorger für die Bauarbeiter und Ingenieure des Bahnprojekts Stuttgart 21 hat Ordinariatsrat Joachim Drumm heute in Stuttgart den katholischen Diakon Peter Maile eingeführt. Der im sozialen Bereich erfahrene Seelsorger soll für die mehreren tausend Arbeitskräfte, die im Lauf der Bauzeit in die Region kommen werden, ein seelsorgliches und soziales Netzwerk aufbauen und sich für angemessene Arbeitsbedingungen einsetzen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart, das Stadtdekanat Stuttgart und das Dekanat Esslingen-Nürtingen haben die neue Stelle gemeinsam geschaffen. Der Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm Wolfgang Dietrich, die baden-württembergische Regionalleiterin der Industrie-Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Inge Hamm und der evangelische Wirtschafts- und Sozialpfarrer Martin Schwarz begrüßten bei dem Festakt nach dem Einführungsgottesdienst die Einrichtung der Stelle.

 

Die Betriebsseelsorgestelle ist nach Aussage des Leiters der diözesanen Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft Ordinariatsrat Joachim Drumm „Neuland“ für die Kirche. Eine vergleichbare Stelle habe es bisher in Deutschland nicht gegeben. Als Betriebsseelsorger soll Diakon Peter Maile die auf den Baustellen des Bahnprojekts Stuttgart 21 Beschäftigten in schwierigen Situationen begleiten, sie bei einer sinnvollen Freizeitgestaltung unterstützen, ihnen religiöse Angebote machen, sie mit den Kirchengemeinden und kirchlichen und sozialen Einrichtungen in Kontakt bringen und sich für faire Arbeitsverhältnisse einsetzen. Ordinariatsrat Drumm erklärte, gerade die in großer Zahl zu erwartenden Arbeitsmigranten seien „in besonderer Weise von prekären Arbeits- und Lohnbedingungen bedroht“ und zudem durch die räumliche Entfernung von ihren Familien belastet. Das habe die Diözese und die Dekanate Stuttgart und Esslingen-Nürtingen motiviert, die Stelle zu schaffen. Drumm betonte, die Einrichtung der Stelle sei keine Parteinahme für das Projekt Stuttgart 21 an sich. Diakon Peter Maile werde solidarisch für das Wohl der Arbeiter eintreten, nicht aber Partei im Streit um Stuttgart 21 ergreifen. Wohl könne es auch Gespräche mit den Verantwortlichen bei der Bahn und den beteiligten Unternehmen geben, jedoch ausschließlich im Sinne einer Anwaltschaft für die Beschäftigten. Mit Diakon Peter Maile habe Bischof Gebhard Fürst einen erfahrenen Netzwerker mit der Betriebsseelsorge Stuttgart 21 beauftragt. 

 

Der evangelische Wirtschafts- und Sozialpfarrer in der Prälatur Ulm Martin Schwarz wünschte dem katholischen Kollegen Gottes Segen. „Nach den heftigen Auseinandersetzungen um dieses Großprojekt stehen alle Beteiligten erheblich unter Druck, politisch wie finanziell. Die Gefahr ist groß, dass dieser Druck einfach nach unten weitergegeben wird“, erklärte Schwarz. Daher sei es wichtig, dass die Kirche auch hier „ihrer vornehmsten Aufgabe“ nachkomme, Anwältin der Menschen zu sein. Mit der Schaffung dieser Stelle trage die Diözese Rottenburg-Stuttgart „einer gewaltigen Herausforderung“ in der Arbeitswelt Rechnung. 

 

Der Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm Wolfgang Dietrich erklärte, Betriebsseelsorger Peter Maile habe ihn bereits in einem ersten Gespräch „von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit“ seiner Arbeit überzeugt. Die bauausführenden Firmen bemühten sich zwar darum, für die Arbeitsmigranten „Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen nach getaner Arbeit eine Möglichkeit zur Erholung bieten und ein Stück Privatsphäre ermöglichen. Aber diese Rahmenbedingungen ersetzen noch lange nicht die mitmenschliche Fürsorge“. Dietrich erklärte seine Bereitschaft, sich auch mit den kritischen Fragen, die der Betriebsseelsorger möglicherweise stellen müsse, auseinanderzusetzen. Als Symbol für den Willen, Maile Zugang zu den Baustellen des Bahnprojekts zu verschaffen, überreichte Dietrich ihm einen Schutzhelm.

 

Regionalleiterin Inge Hamm betonte, die IG BAU könne ihren Auftrag, „für möglichst ‚saubere’ Baustellen zu sorgen“, nicht allein erfüllen. Sie sei den Trägern dankbar für die Schaffung der Betriebsseelsorge Stuttgart 21. Sie forderte alle Einrichtungen und Bürger auf, wachsam zu sein, was die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Arbeitsmigranten angehe. Dass diese menschenunwürdig untergebracht seien und um Lohn betrogen würden, sei „fast normal“. Um diese Missstände zurückzudrängen, müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten. 

 

Der gelernte Heizungsinstallateur, Jugend- und Heimerzieher und Altenpfleger Peter Maile (51) arbeitete von 2000 bis 2012 als Diakon mit dem Schwerpunkt „caritative Arbeit“ in der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Zuvor hatte er als pastoraler Mitarbeiter in Bad Saulgau Erfahrungen in der Gemeinde- und Betriebsseelsorge gesammelt. Auf Landesebene engagierte sich Maile von 2005 bis 2011 im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz. Auf Diözesanebene war er Mitglied der Steuerungsgruppe Wohnungslosenhilfe. Diakon Peter Maile ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.

 

Mit freundlicher Genehmigung:

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bischöfliche Pressestelle

Verantwortlich: Uwe Renz, Pressesprecher/Leiter der Pressestelle

Das Märchen vom demographischen Problem oder: Wie sich die Rente retten lässt

Vortrag von Martin Staiger beim Evang. Diakonieverband Ulm/Alb-Donau

 

Eine Auseinandersetzung mit den Rentenreformen der letzten Jahre bot ein Vortag des Renten- und Armuts-Experten Martin Staiger am 24. Oktober im Kirchlichen Dienstleistungszentrum Ulm. Die Rentenreformen der letzten Jahre werden immer wieder als alternativlos dargestellt, so Staiger. Als Grund werde meist der demographische Wandel genannt. Dies scheine vielen auf den ersten Blick einleuchtend. Viele Ältere seien daher durchaus zum Verzicht bereit. Was es mit dem demographischen Wandel wirklich auf sich habe und welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen solle – das hinterfragte Martin Staiger kritisch. Außerdem führte er er seine Sicht der Rentenreformen der letzten 15 Jahre, der dahinterstehenden Interessen und der Folgen für die jetzige und die zukünftige Rentnergeneration aus.

 

Staigers These: Grund für die Finanzierungsprobleme ist die systematische Schwächung der gesetzlichen Rentenversicherungen in den letzten beiden Jahrzehnten, der Rückgang des Anteils sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse und die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus den Rentenkassen. Abschließend stellte Staiger einen Reformvorschlag zur Diskussion, der die Bezahlung der Renten auf ein breiteres Fundament stellen und Altersarmut weitgehend vermeide soll.

 

Martin Staiger ist evangelischer Theologe und Sozialarbeiter. Er ist als Publizist sowie  in der Fort- und Weiterbildung tätig. Er hat er unter anderem für die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden- Württemberg den Reader zum Aktionstag 2012 „Armut bedroht alle“ Material verfasst.

 

Reader Aktionstag „Armut bedroht alle“ als Download (PDF, ca. 2,3 MB)

 

Ein Buch zum Thema ist in Vorbereitung und wird voraussichtlich in den ersten Monaten des Jahres 2013 im Publik- Forum- Verlag erscheinen.

Kontakt zum Referenten:

Wenden Sie sich bitte an das KDA-Büro Ulm.